SarkomKonferenz

Forschungspreis der Sarkomkonferenz 2018

Geschrieben von Karin Kastrati

Preis gemeinsam von der Patientenorganisation Das Lebenshaus e.V. und der GISG (German Interdisciplinary Sarcoma Group e.V.) gestiftet.

Im Rahmen der 8. Sarkomkonferenz in Berlin wurde der Forschungspreis 2018 verliehen. In diesem Jahr entschied sich die Jury für eine Arbeit von Dr. Priya Chudasama vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), die die molekularen Ursachen von Leiomyosarkomen untersuchte. Die Publikation „Integrative genomic and transcriptomic analysis of leiomyosarcoma“ wurde 2018 in “Nature” veröffentlicht.

Leiomyosarkome (LMS) sind bösartige Tumoren der glatten Muskulatur, die nahezu überall im Körper auftreten können. Sie sind sehr selten: In Deutschland sind jährlich neu etwa 150 - 200 Patienten betroffen. Aus diesem Grund ist bislang nur wenig über die molekularen Ursachen bekannt. Dr. Priya Chudasama und ihre Kollegen haben die genetischen Ursachen der Leiomyosarkome an Tumorproben von 49 Patienten umfassend analysiert. Ziel war es, spezifische Veränderungen zu finden, über die sich die Krebszellen mit zielgerichteten Medikamenten angreifen lassen.

Chaos im Erbgut, wichtigste „Krebsbremsen“ fehlen meist

Im Erbgut der Leiomyosarkome herrscht Chaos, so die Forschergruppe um Dr. Chudasama am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ)/Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT): Vielfach fehlten große Stücke des Genoms oder waren vervielfältigt, teilweise lag sogar das gesamte Genom doppelt und dreifach vor. Besonders auffällig war, dass die beiden wichtigsten „Krebsbremsen“, die Tumorsuppressorgene TP53 und RB1, häufig fehlten. In über 90 Prozent der untersuchten Proben waren sogar jeweils beide ihrer Genkopien zerstört.

Die Analyse offenbarte auch, wie die Tumorzellen ihre Unsterblichkeit erlangen: In über drei Viertel der Fälle hatten die Krebszellen verschiedene Wege gefunden, ihre Telomere zu verlängern. Bei gesunden Zellen begrenzt die Länge dieser Strukturen an den Chromosomenenden die Anzahl der möglichen Teilungen.

Reparatur von DNA in Krebszellen verhindern

Zudem konnten in den meisten Tumoren Anhaltspunkte dafür gefunden werden, dass ein wichtiges System zur Reparatur beschädigter DNA ausgefallen war: Die Krebszellen können Schäden, die z.B. durch Chemotherapie entstanden sind, nicht reparieren. Eine andere Taktik ist es, bei diesen Krebszellen anhand von Wirkstoffen (z.B. PARP-Inhibitoren) auch noch das andere wichtige DNA-Reparatursystem lahmzulegen. Das führt dazu, dass die Krebszellen an ihren Erbgutdefekten sterben. Diese Theorie konnte im Labor bereits bestätigt werden. Klinische Studien werden überprüfen, ob dieser Ansatz Patienten mit Leiomyosarkomen tatsächlich helfen kann.

Forschungspreis der Deutschen Sarkomkonferenz: Wissenschaft würdigen und fördern

„Die Forschung an seltenen Sarkomen ist wegen der geringen Anzahl an Patienten eine schwierige Aufgabe. Außerdem sind die Tumoren genetisch sehr vielfältig und der klinische Verlauf der Krankheit ist sehr unterschiedlich“, so Dr. Chudasama. „Deshalb freue ich mich sehr über den Forschungspreis der Sarkomkonferenz und danke der German Interdisciplinary Sarcoma Group (GISG) und dem Lebenshaus e.V. für die Anerkennung meiner Arbeit. Dies motiviert mich sehr darin, Therapiemöglichkeiten für die über70 verschiedenen Sarkom-Subtypen zu finden.“

Der Forschungspreis der Deutschen Sarkomkonferenz ist der Wissenschaftspreis zum Thema „Knochentumore und Weichteilsarkome“ und wird zu gleichen Teilen von der German Interdisciplinary Sarcoma Group (GISG) und der Patientenorganisation für GIST/Sarkome in Deutschland Das Lebenshaus e.V. gestiftet. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und richtet sich an WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen, die sich auf dem Gebiet der translationalen Forschung der Knochentumoren und Weichteilsarkome durch maßgebliche Forschungsbeiträge hervorgetan haben. Er wurde 2018 zum 8. Mal verliehen.

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